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Das Buch ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man ernste
und vielschichtige Themen wie Kinderarbeit, Ungerechtigkeit und auch
geschichtliche Ereignisse in einem fernen Land mit einfachen Worten beschreiben
kann. Die Autorin Caroline Philipps schafft es zudem, dies in einer Form zu
tun, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht.
Lan und andere Kinder sowie junge Frauen schuften unter
ausbeuterischen Bedingungen in einer Schuhfabrik in Vietnam. Mit nur einer
Pause müssen sie weit über 10 und 12 Stunden hinaus Schuhe montieren. Ohne
ausreichende Entlüftung sind sie den stark riechenden Klebmitteln ausgesetzt.
Fallen einer der Arbeiterinnen vor Müdigkeit die Augen zu, setzt es drakonische
Strafen. Die Besitzer der Fabrik sind vietnamesische Neureiche. Die
Auftraggeber für die Schuhfabrikation sind amerikanische und deutsche
Markenartikel-Unternehmen.
Das Buch vermittelt keine eindimensionale Beschreibung von
Gut und Böse. Die Autorin berichtet vielmehr über die globale Arbeitsteilung. Sie
beginnt mit dem Druck der Markenartikel-Unternehmen aus den USA und der EU /
Deutschland.. Dieser wird von dem einheimischen Unternehmen gnadenlos über die
lokalen Aufseher und schließlich auf die Schwächsten in der Kette, die
jugendlichen Arbeiterinnen, weitergegeben. Es erzählt über die Angst der
betroffenen Arbeiterinnen und den Grund für ihre Passivität gegenüber der
Ungerechtigkeit, die ihnen widerfährt. Als der lokale Fabrikbesitzer eine
Inspektion des Auftraggebers in die Fabrik bittet, um ein begehrtes
Qualitätssigel zu erhalten , beginnen Lan und einige ihrer Kolleginnen sich
gegen die Schikanen zu wehren. Sie finden Verbündete. Zuerst in Bac Le, dem
alten Widerstandskämpfer aus dem Befreiungskrieg gegen die USA und später in
der Tochter des Arbeitsinspektors aus Deutschland. Gemeinsam gewinnen sie
zumindest ‚eine Schlacht' um die Arbeitsbedingungen. Ob sich diese aber
grundlegend ändern. bleibt offen.
Parallel dazu findet eine weitere äußerst spannende Nebengeschichte
statt - insbesondere für Leserinnen und Leser, die sich für den
gesellschaftlichen Wandel in Vietnam interessieren. Es ist die
Auseinandersetzung zwischen Bac Le, dem alten Offizier aus dem Widerstand und
seinem Sohn, dem geldorientierten Fabrikbesitzer, sowie dessen Familie. Mit seinem
Enkel Tai, einem ca. 15 jährigen Jungen, diskutiert er heftig über die Moral
des Geldverdienens. Der Junge hat die Fabrik der Familie und die
Arbeitsbedingungen noch nie von innen gesehen. Provozierend fragt er den
Großvater „warum sollte ich die Fabrik von innen
ansehen?" „Tja, gute Frage" erwidert der alte Mann . „meine Familie zählt offensichtlich
nur noch das Geld, aber es interessiert sie nicht, wie es verdient wird". Der
Enkel verteidigt seinen Vater: „Vater würde es nie erlauben, dass seine
Arbeiter ausgebeutet werden. er hat damals im Krieg selbst gegen die Ausbeutung
durch die Amerikaner gekämpft" „Richtig, aber das ist lange her. Zwar hat
Konfuzius gesagt, dass ein Mann mit starkem Charakter und moralischen
Grundsätzen eher sein Leben opfert als seine Überzeugung. Aber wo ist diese
Stärke bei den Menschen, die heute Geschäfte machen?. Wenn dein Vater nichts zu
verbergen hat, kann eine Inspektion auch nichts finden". Diese
Auseinandersetzung steht für eine in Vietnam vor allem zwischen Jungen und
Alten geführte Diskussion um den derzeit laufenden Wandel gesellschaftlicher
Werte und Traditionen in Vietnam.
Für Menschen in Europa, die in Diskussionen über Themen wie
Kinderarbeit oftmals schnell mit der Forderung in die Diskussion eintreten, von
außen einzugreifen, stellt Carolin Phillips.in ihrer Geschichte einen anderen
Lösungsansatz vor. Das Engagement der Betroffenen. Sie zeigt dass ihre Helden
Lan, Hoa, Minh und Phuong zusammen mit Bac Le von innen heraus Änderungen
bewirken können. Ganz am Ende der Geschichte lasst sie Bac Le sagen: ... die Veränderung muss innen passieren. Druck von außen kann
nur ein wenig nachhelfen".
Es ist ein realistisches Buch über Vietnam und begeistert
mich unter anderem, weil der ausgestreckte Besserwisserfeigefinger eingeklappt
bleibt und das Buch Mut macht, sich gegen Ungerechtigkeiten einzusetzen. Lan
gibt dafür ein gutes Beispiel nicht nur für die Verhältnisse in Vietnam.
Die Autorin ist, so steht es im Vorspann zu ihrem Buch, mit
einem Vietnamesen verheiratet. Sie versteht ganz offensichtlich etwas von
Vietnam und den Lebensbedingungen, die dort herrschen sowie den Diskussionen,
die dort geführt werden. Das macht das Buch authentisch, selbst wenn die
Geschichte über das Mädchen Lan keine Reportage ist.
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