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Made in Vietnam Drucken
Geschrieben von Stefan Kühner   
Sonntag, 17. Januar 2010

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Made in Vietnam
Ueberreuter Wien
2009
ISBN-10 3800054213
9,95 Euro

Das Buch ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man ernste und vielschichtige Themen wie Kinderarbeit, Ungerechtigkeit und auch geschichtliche Ereignisse in einem fernen Land mit einfachen Worten beschreiben kann. Die Autorin Caroline Philipps schafft es zudem, dies in einer Form zu tun, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht.

Lan und andere Kinder sowie junge Frauen schuften unter ausbeuterischen Bedingungen in einer Schuhfabrik in Vietnam. Mit nur einer Pause müssen sie weit über 10 und 12 Stunden hinaus Schuhe montieren. Ohne ausreichende Entlüftung sind sie den stark riechenden Klebmitteln ausgesetzt. Fallen einer der Arbeiterinnen vor Müdigkeit die Augen zu, setzt es drakonische Strafen. Die Besitzer der Fabrik sind vietnamesische Neureiche. Die Auftraggeber für die Schuhfabrikation sind amerikanische und deutsche Markenartikel-Unternehmen.

Das Buch vermittelt keine eindimensionale Beschreibung von Gut und Böse. Die Autorin berichtet vielmehr über die globale Arbeitsteilung. Sie beginnt mit dem Druck der Markenartikel-Unternehmen aus den USA und der EU / Deutschland.. Dieser wird von dem einheimischen Unternehmen gnadenlos über die lokalen Aufseher und schließlich auf die Schwächsten in der Kette, die jugendlichen Arbeiterinnen, weitergegeben. Es erzählt über die Angst der betroffenen Arbeiterinnen und den Grund für ihre Passivität gegenüber der Ungerechtigkeit, die ihnen widerfährt. Als der lokale Fabrikbesitzer eine Inspektion des Auftraggebers in die Fabrik bittet, um ein begehrtes Qualitätssigel zu erhalten , beginnen Lan und einige ihrer Kolleginnen sich gegen die Schikanen zu wehren. Sie finden Verbündete. Zuerst in Bac Le, dem alten Widerstandskämpfer aus dem Befreiungskrieg gegen die USA und später in der Tochter des Arbeitsinspektors aus Deutschland. Gemeinsam gewinnen sie zumindest ‚eine Schlacht' um die Arbeitsbedingungen. Ob sich diese aber grundlegend ändern. bleibt offen.

Parallel dazu findet eine weitere äußerst spannende Nebengeschichte statt - insbesondere für Leserinnen und Leser, die sich für den gesellschaftlichen Wandel in Vietnam interessieren. Es ist die Auseinandersetzung zwischen Bac Le, dem alten Offizier aus dem Widerstand und seinem Sohn, dem geldorientierten Fabrikbesitzer, sowie dessen Familie. Mit seinem Enkel Tai, einem ca. 15 jährigen Jungen, diskutiert er heftig über die Moral des Geldverdienens. Der Junge hat die Fabrik der Familie und die Arbeitsbedingungen noch nie von innen gesehen. Provozierend fragt er den Großvater  „warum sollte ich die Fabrik von innen ansehen?" „Tja, gute Frage" erwidert der alte Mann . „meine Familie zählt offensichtlich nur noch das Geld, aber es interessiert sie nicht, wie es verdient wird". Der Enkel verteidigt seinen Vater: „Vater würde es nie erlauben, dass seine Arbeiter ausgebeutet werden. er hat damals im Krieg selbst gegen die Ausbeutung durch die Amerikaner gekämpft" „Richtig, aber das ist lange her. Zwar hat Konfuzius gesagt, dass ein Mann mit starkem Charakter und moralischen Grundsätzen eher sein Leben opfert als seine Überzeugung. Aber wo ist diese Stärke bei den Menschen, die heute Geschäfte machen?. Wenn dein Vater nichts zu verbergen hat, kann eine Inspektion auch nichts finden". Diese Auseinandersetzung steht für eine in Vietnam vor allem zwischen Jungen und Alten geführte Diskussion um den derzeit laufenden Wandel gesellschaftlicher Werte und Traditionen in Vietnam.

Für Menschen in Europa, die in Diskussionen über Themen wie Kinderarbeit oftmals schnell mit der Forderung in die Diskussion eintreten, von außen einzugreifen, stellt Carolin Phillips.in ihrer Geschichte einen anderen Lösungsansatz vor. Das Engagement der Betroffenen. Sie zeigt dass ihre Helden Lan, Hoa, Minh und Phuong zusammen mit Bac Le von innen heraus Änderungen bewirken können. Ganz am Ende der Geschichte lasst sie Bac Le sagen: ... die Veränderung muss innen passieren. Druck von außen kann nur ein wenig nachhelfen".

Es ist ein realistisches Buch über Vietnam und begeistert mich unter anderem, weil der ausgestreckte Besserwisserfeigefinger eingeklappt bleibt und das Buch Mut macht, sich gegen Ungerechtigkeiten einzusetzen. Lan gibt dafür ein gutes Beispiel nicht nur für die Verhältnisse in Vietnam.

Die Autorin ist, so steht es im Vorspann zu ihrem Buch, mit einem Vietnamesen verheiratet. Sie versteht ganz offensichtlich etwas von Vietnam und den Lebensbedingungen, die dort herrschen sowie den Diskussionen, die dort geführt werden. Das macht das Buch authentisch, selbst wenn die Geschichte über das Mädchen Lan keine Reportage ist.


Links

Die Rezension wurde von Stefan Kühner dem stellv. Vorsitzenden der Freundschaftsgesellschaft Vietnam geschrieben. 

Auf der Webseite des Verlages findet man eine Pädagogische Anleitung von Mag. Alexandra Loibl für die Einbeziehung des Buches im Unterricht

Verlag  Carl Ueberreuter, Wien

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 6. Juli 2010 )
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