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Geschrieben von Stefan Kühner   
Sonntag, 28. Oktober 2007
 Die Weihnachtsbombardements 1972
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 Zwischen dem 18. und 31. Dezember 1972 flogen Maschinen der US-Luftwaffe Einsätze gegen Hanoi und die benachbarte Hafenstadt Hai Phong. Die Bombardements gingen Tag und Nacht, rund um die Uhr - 24 Stunden. Am Weihnachtstag wurde pietätvoll eine kleine Pause eingelegt. Am folgenden Tag nahmen die B52 Bomberflotten das Bombardement aber verstärkt wieder auf. Die Buchhalter des Schreckens im Pentagon registrierten: ca. 1000 Einsätze mit 193 Flugzeugen, rund 100 000 abgeworfene Bomben, 21.000 Tonnen Sprengstoff. Es war einer der Höhepunkte in der an Verbrechen wahrlich nicht armen Geschichte der US-Aggression gegen das vietnamesische Volk und Hanoi stand in der traurigen Liste der zerbombten Städte zwischen Coventry, Rotterdam und Dresden.
Bilanz des Schreckens
2368 Zivilisten wurden getötet, 1355 verletzt. Das größte Krankenhaus Nord-Vietnams, das Bach Mai Hospital, wurde durch Bomben schwer getroffen. Das Hauptgebäude stürzte ein. Patienten, Schwestern und Ärzte wurden unter seinen Trümmern begraben. Allein bei einem Angriff in der Nacht vom 25.12. auf 26.12.1972 wurden 287 Menschen getötet als die Kham Thien Straße, einer der am dichtesten besiedelten Straßen Hanois, mit Sprengbomben dem Erdboden gleich gemacht werde. 5480 Häuser, 100 Fabriken, Schulen und Bahnhöfe wurden zerstört.  
 
Jeder der in der Stadt wohnte war betroffen. Hätten die Behörden nicht vorsorglich einen großen Teil der Bevölkerung Hanois, vor allem die Kinder, evakuiert, wäre die Zahl der Opfer noch viel höher gewesen. 

Mit den Dauerbombardements wollte Henry Kissinger, zu dieser Zeit Sicherheitsberater von Präsident Nixon, die Regierung der DRV (Demokratische Republik Vietnam = Nordvietnam) an den Verhandlungstisch 'zurückzwingen'. Ein zynischer Aspekt - hatten doch die Verhandlungen zwischen den USA, der DRV und der PRR (Provisorische Revolutionäre Regierung = Regierung in den befreiten Gebieten des Südens) bereits im Oktober 1972 ein unterschriftsreifes 9-Punkte-Abkommen ergeben, in dem die Bedingungen zur Beendigung des Krieges festgeschrieben worden waren. Die USA wollten aber nachkarten (wie man dies heute nennt). 

Sturm der Entrüstung

Die Weihnachtsbombardements waren allerdings trotz des enormen Militäreinsatzes der USA der letzte Wendepunkt für die Niederlage. Der Widerstandswille der Menschen in Vietnam war ungebrochen und viele Flugzeuge wurden abgeschossen. Über 30 B52-Bomber kehrten nicht in Ihre Stellungen zurück. Gleichzeitig schwoll in Europa und den USA die Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg nochmals zu einem Sturm gegen den Vietnamkrieg an. Vor vielen Kirchen in Deutschland, Holland, Italiens, Australiens und der USA wurden Flugblätter an die Besucher der Christmetten und Weihnachtsgottesdienste verteilt und mancher Pfarrer predigte gegen den Krieg. In Rotterdam und anderen Häfen weigerten sich Seeleute, US-Schiffe zu be- oder entladen. Und am 20.01.1973 fanden sich unter dem Motto "Frieden und Unabhängigkeit für Vietnam - JETZT" junge und alte Menschen der unterschiedlichsten Weltanschauung zur größten Demonstration gegen den Vietnamkrieg zusammen. Auch viele Regierungen gingen auf Distanz und überreichten den US-Botschaftern Protestnoten. Die USA mussten einlenken und unterzeichneten schließlich am 27.01.1973 das "Pariser Abkommen" über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam. Es war der Start für den Rückzug des US-Militärs aus Vietnam. 


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Keine Einstiege in die Kanalisation, sondern Schutzbunker vor Bombenangrifffen in den Straßen Hanois im Jahr 1972.  

Das B52-Wrack in meinem Garten

In einem Beitrag der Viet Nam News im Dezember 2002 erinnert sich der vietnamesische Maler Le Thanh an die Tage im Dezember vor 30 Jahren. Seit 30 Jahren liegt im Garten seines Hauses in Ngoc Ha (einem Stadtteil von Hanoi) das Wrack eines abgeschossenen B52-Bombers. 

"Ich lebe hier in meinem Haus in Hanoi seit über 30 Jahren. Im Dezember 1972 arbeitete ich für das vietnamesische Filmstudio an einem Zeichentrickfilm. Meine Familie war bereits evakuiert worden, aber ich gehörte der Selbstverteidigungstruppe des Studios an." sagt  Thanh. "Ich hatte Bereitschaftsdienst im Studio, als ich hörte, dass in Ngoc Ha ein Flugzeug abgestürzt sei. Ich eilte so schnell es ging nach Hause und sah schon von weitem das Feuer. Es war mein Haus, mein Garten, die Bäume in meinem Garten - alles brannte. Völlig verschiedene Gefühle erfüllten mich damals." erzählt er weiter  "Traurigkeit wegen der verbrannten Bücher in meinem Haus aber auch Stolz darüber, dass  wir dieses riesige Flugzeug abgeschossen hatten. Es war wie eine Siegesahnung." 

Nach der Rückkehr aus den Luftschutzbunkern machten sich die meisten Menschen daran die Reste der Zerstörung und des Krieges wegzuräumen und neu aufzubauen. Le Thanh beschloss aber, ein Teil des Wracks in seinem Garten liegen zu lassen. Einerseits weil er ein Sammler ist und manche Ding nicht wegwerfen mag, andererseits aber auch weil er das Wrack als eindrucksvolles Symbol und als Erinnerung an den Sieg betrachtete.
 
Auch noch viele Jahre nach seinem Ende beschäftigt sich Thanh mit dem Krieg. Er schrieb Drehbücher für Kinderfilme und das Bild der Mutter und ihrem Kind ist ein immer wiederkehrendes Motiv seiner Bilder. 

"Ich werde das Wrack meinen Kindern hinterlassen, damit sie es weiter erhalten" sagt Thanh am Ende des Interviews. Aber, so fügt er hinzu "ich würde ihm Lebewohl sagen, wenn die Oberen unserer Stadt es im Museum ausstellen wollen. Es ist schließlich nicht mein Eigentum, sondern gehört der ganzen Nation."

Quelle Fotos: oben - wikimedia / unten Archiv GF Vietnam


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 13. September 2008 )
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